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„Mehr Feinfühligkeit“

Wie Terrorismus den Tourismus trifft / Ein Experteninterview

Frankfurt am Main (tdt) – Acht Attentate in vier Wochen: Welchen Einfluss der Terror auf den Tourismus nimmt, analysiert Karl Born, Professor für Tourismusmanagement an der Hochschule Harz und Ex-Vorstand des Reisekonzerns TUI.

Was ist, wenn in der Türkei weitere Bomben explodieren?

Born: Würden dabei deutsche Urlauber getötet, dann wäre das eine Katastrophe. Dann läge der Tourismus dort am Boden – allerdings nicht auf Dauer, aber mindestens für ein bis zwei Jahre.

Welche Auswirkungen hätte das auf den Tourismus insgesamt?

Man würde versuchen, die Urlauberströme umzulenken. Es wäre aber sicher nicht mit dem ganzen Türkei-Aufkommen möglich, dafür ist dieses Ziel inzwischen zu gewichtig geworden.

Wie bewerten Sie das Krisenmanagement der Reisebranche?

Faktisch ist es ganz hervorragend. Das verbale Krisenmanagement – also die Äußerungen nach einem Anschlag – sind manchmal allerdings bedenklich.

Was meinen Sie konkret?

Wenn es nach Anschlägen beispielsweise heißt, dass die Bomben kaum Stornierungen und Umbuchungen ausgelöst haben, dann ist das ebenso unglücklich wie Aussagen, das betroffene Land habe als Urlaubsziel nur eine untergeordnete Bedeutung. Ich würde mir insgesamt von den Spitzenvertretern der Reisebranche etwas mehr Feinfühligkeit, Empathie und emotionales Gefühl wünschen.

Einzelne Tourismus-Kritiker sagen, zu viel Tourismus provoziere an manchen Orten Aggression und schüre den Terrorismus.

Wenn man es auf den aktuellen Terrorismus bezieht, würde ich eine solche Aussage nicht für richtig halten. Das hat eine ganz andere, politische Dimension. Allerdings kann man nicht ganz verneinen, dass das Auftreten mancher Touristen in den Zielgebieten die Gefühle Einheimischer verletzt. Einige kapieren es nie.

Zielen Terroristen gezielt auf den Tourismus?

Sie wollen in den Ländern Chaos und Anarchie stiften. Das glauben sie am ehesten durch die Zerstörung der Einnahmequellen zu erreichen. Deswegen werden touristische Ziele angegriffen, beispielsweise auf Bali und Djerba. Das hat ja in Tunesien auch zu einem drastischen Einbruch geführt, der finanzielle Schaden für das Land ist immens. Nach den Anschlägen in Sharm el Sheik reisten nur zehn Prozent der dort urlaubenden 4800 Deutschen ab. Was zeigt das?

Die Leute dachten ganz pragmatisch: Wenn ich jetzt abbreche, habe ich ja keine Alternative. Schließlich waren ihre Hotels auch nicht betroffen. Bei denjenigen, die Ägypten danach gebucht hatten, blieb es bei Umbuchungs-Überlegungen – sie dachten, da wird jetzt nicht schon wieder etwas passieren.

Und was war mit denen, die drauf und dran waren dorthin zu fliegen?

Die suchen sich nach solchen Anschlägen meist andere Ziele.

Wie schnell erkennt man, ob die Nachfrage weg bricht?

Es macht es keinen Sinn, die Zahlen nach ein paar Tagen zu bewerten. Erst nach einem halben Jahr erkennt man den Trend. Wenn man jetzt beispielsweise nach Südostasien schaut, sieht man eine katastrophale Buchungssituation – obwohl alle gesagt haben, dass sie wieder hinfahren.

Haben sich mittlerweile auch Urlauber an den Terror gewöhnt?

Ein gewisser Gewöhnungseffekt ist da. Je mehr die Menschen in ihrem Alltag merken, dass Terrorismus ein Teil unseres Lebens ist, desto mehr verinnerlichen sie es. Sie werden sich dann aber gerade im Urlaub wünschen, dass Sicherheit sichtbar gemacht wird.

Wodurch?

Beispielsweise durch Wachleute am Hotel. Das gibt Touristen ein besseres Gefühl. Inzwischen hat die Reisebranche dies auch erkannt, Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden.

Was wünschen Sie sich noch?

Die Branche sollte grundsätzlich kulant sein, was das Thema Umbuchungen und auch Stornierungen nach Anschlägen angeht – Angst ist nicht unbedingt etwas, was sich in Gesetze pressen lässt. Jemand mit Gewalt in die Einhaltung eines Vertrages zu zwingen, ist verkehrt.

Und schlecht für die Kundenbindung.

Wenn man die ernst nimmt, heißt es, dass man einen Kunden will, der loyal zu einem Unternehmen steht. Dann muss das Unternehmen aber umgekehrt auch etwas Loyalität geben. Da fährt die Branche auf Dauer auch wirtschaftlich besser mit.

Wie bewerten Sie die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes?

Die Hauptaufgabe des Ministeriums ist es nicht, Touristen zu warnen, sondern gute Beziehungen zu anderen Ländern zu pflegen.

Was heißt das?

Es hat immer eine Güterabwägung zu treffen: Warnt es - oder berücksichtigt es die Interessen der Länder, deren Etats oft wesentlich vom Tourismus abhängen. Deswegen äußert sich das Ministerium meist sehr sibyllinisch, was aber keine konkrete Hilfe für den Urlauber darstellt. Die Behörde warnt ja ohnehin in der Regel nur vor Reisen in Länder, in die ohnehin kaum jemand hinreist.

Tages-Thema

Wellness-Urlaub ist in

 Hannover (tdt) – Fitnessferien sind der Renner auf dem Reisemarkt: 2012 werden bundesweit mehr als fünf Millionen Wellness-Reisen im Wert von über einer Milliarde Euro gebucht. 2020 sollen es dann bereits 6,8 Millionen Arrangements sein. Diese nun von TUI vorgelegte Prognose basiert auf Zahlen des Deutschen Wellness Verbandes, der Gesellschaft für Konsumforschung und des Instituts für Freizeitwirtschaft.

   Dabei läuft offenbar die Türkei Österreich als einem der klassischen Wellness-Ziele den Rang ab. Bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter zumindest ist das Land - hinter der Bundesrepublik und Spanien – bereits das drittwichtigste Zielgebiet.

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